Freiwillig-MWST-zahlen

Freiwillig Mehrwertsteuer?

Firmengründer haben vielleicht mal gehört, dass man erst ab 100’000 Franken Umsatz Mehrwertsteuer abrechnen muss. Nun schieben sie das Thema deshalb der Einfachheit halber so lange vor sich her. 

Man kann sich jedoch auch freiwillig der Mehrwertsteuer unterstellen. Und dieser Artikel zeigt, wann und warum dies sogar sinnvoll sein kann.

Die Mehrwertsteuer ist ein komplexes Thema. Vielleicht ist dies mit ein Grund, dass viele Unternehmer bei der Firmengründung froh sind, wenn Ihnen jemand sagt: „Bis 100’000 Umsatz kannst du MWST vergessen“. Und das ist auch tatsächlich so, man kann sie vergessen. Aber man muss nicht. Und manchmal sollte man auch nicht.

Einleitung

Ein Unternehmen verkauft Dienstleistungen oder Produkte, damit wird Geld verdient. Aber auf der anderen Seite ist jedes Unternehmen gleichzeitig auch Kunde von anderen Unternehmen, von Lieferanten. 

Um Ihrer Arbeit nachgehen zu können, müssen Sie Werkzeug kaufen, Büromobiliar, vielleicht ein Fahrzeug, Maschinen oder einen Computer. 

Es gibt natürlich tatsächlich Unternehmen, die wenig Investitionskapital brauchen, um starten zu können. Ein Coach kann zu Beginn vielleicht aus seinem Home-Office arbeiten und private Geräte benutzen. 

Bei den meisten Start-ups jedoch braucht’s zum Start schon dies und das, da läppert sich so einiges zusammen. 

Für alle diese Dinge, die Sie einkaufen müssen, bezahlen Sie Mehrwertsteuer.

Nehmen wir an, Sie haben Investitionen von CHF 10’000. Dann haben Sie etwas über CHF 700 Mehrwertsteuer bezahlt. 

Kommt noch ein Auto von CHF 25’000 dazu, erhöht sich der Anteil der Mehrwertsteuer auf immerhin schon über CHF 2’500. 

Was würden Sie sagen, wenn Sie dieses Geld zurück bekämen?   

Die Chance der Vorsteuer

Wenn Sie der Mehrwertsteuer unterstehen – ob freiwillig oder nicht – müssen Sie mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung die Mehrwertsteuer abrechnen. Das ist ein Mehraufwand, der sich aber mit dem richtigen EDV-System durchaus in Grenzen hält und eigentlich kaum der Rede wert ist. 

Dieser Mini-Nachteil wird zudem mehr als aufgehoben durch die Tatsache, dass Sie den Vorsteuerabzug tätigen können. 

Vorsteuerabzug? 

Vorsteuer ist ein weiteres Wort für eine bestimmte Form der Mehrwertsteuer, nämlich die, welche Sie als Firma Ihren Lieferanten bezahlen. Und die dürfen Sie bei der Abrechnung mit Ihrer Mehrwertsteuer verrechnen. 

Vereinfacht gesagt erhalten Sie MWST, die Sie anderen bezahlen, zurück. 

Dadurch vergünstigt sich für Sie der Einkauf von Produkten und Dienstleistungen in der Schweiz. 

Und was ist daran spannend?

Nun, die Vorsteuer dürfen Sie nicht nur dann „zurückfordern“, wenn Sie die gekauften Produkte weiter verkaufen und damit Mehrwertsteuern generieren, sondern auch dann, wenn Sie sie für den Eigengebrauch in der Firma verwenden.

Das Geschäftsauto für CHF 25’000 wird dann schon mal CHF 2’300 günstiger. Auch die Investitionen in Server, Kassensystem, Büromöbel, und und und werden im Prinzip 7.7 % günstiger. 

Nachteile

Wenn Sie MWST abrechnen, verteuern sich im Grunde Ihre Dienstleistungen und Produkte, weil Sie darauf ja 7.7 % (oder den jeweils geltenden Satz) für das Steueramt einkassieren. 

Liefern Sie vorwiegend an Firmen, ist dies nicht so problematisch, da die meisten Firmen ja wiederum den Vorsteuerabzug geltend machen können und so ihrerseits diese MWST-Beträge „zurückfordern“. Im Endeffekt also ein Nullsummen-Spiel. 

Gehören allerdings hauptsächlich Privatpersonen zu Ihrer Kundschaft, dann sieht es anders aus. Denn Private haben bekanntlich keine Möglichkeit, die MWST (Vorsteuer) zurückzufordern. Da verteuert sich dann in der Tat  Ihr Produkt. Es sei denn, Sie verzichten freiwillig auf einen Teil Ihrer Marge, was ich bezweifle (und übrigens auch nicht empfehle). 

Was sollte man sich also überlegen?

Je nach Branche kann es sein (bzw. ist es sogar wahrscheinlich), dass Sie zu Beginn wesentlich mehr Geld in Infrastruktur, Werbung und dergleichen investieren müssen, als in Form von Umsatz rein kommt. 

Dann sollten Sie sich überlegen, ob Sie sich nicht freiwillig der MWST unterstellen wollen und entsprechend hohe Vorsteuerabzüge tätigen können. Es ist nicht selten, dass Start-ups zu Beginn Geld vom Steueramt heraus bekommen, weil ihre Vorsteuer grösser ist als die MWST auf eigenen Umsätzen. Ein besonderes und tolles Gefühl, kann ich Ihnen sagen. 

Noch interessanter ist es, wenn Sie voraussichtlich nur oder grösstenteils ins Ausland exportieren. Exporte sind von der Mehrwertsteuer ausgenommen. Selbst wenn Sie MWST-pflichtig sind, fallen keine Steuern an auf Exporte. Vorsteuerabzüge hingegen dürfen Sie trotzdem geltend machen.

Wenn Sie vor allem Privatkunden bedienen, haben die sicher Freude, wenn keine MWST anfällt und Ihre Arbeit entsprechend etwas günstiger ausfällt. Wenn alle Ihre Mitbewerber MWST abrechnen müssen, haben Sie vielleicht sogar einen Wettbewerbsvorteil.

Der kann aber schnell abhanden kommen, weil Sie vermutlich früher oder später 100’000 Franken Umsatz erreichen. Warum dann nicht von Beginn an Mehrwertsteuer abrechnen und von den Vorteilen des Vorsteuerabzugs profitieren? 

Fazit

Das spricht eher für eine freiwillige Anmeldung

  • Hohe Investitionen (=Vorsteuerabzüge)
  • grosser Anteil Export (somit keine Mehrwertsteuer, jedoch trotzdem Vorsteuerabzüge)
  • hauptsächlich Firmenkunden (können selber auch Vorsteuerabzug geltend machen)
  • geplante Umsätze in Zukunft ohnehin über CHF 100’000

Das spricht eher gegen eine freiwillige Anmeldung

  • Fast nur Privatkunden
  • Keine oder nur geringe Investitionen
  • Umsätze in absehbarer Zeit nicht über CHF 100’000

Schlusswort

Wie immer im Leben gibt es auch hier Besonderheiten und Ausnahmen, die den Rahmen jedes Blog-Artikels sprengen würden. In diesem Artikel habe ich das Thema etwas vereinfacht dargestellt.

Tatsache ist aber: Mehrwertsteuer bedeutet nicht einfach mehr administrativen Aufwand, sondern kann durchaus finanziell reizvoll sein.

Es empfiehlt sich, die eigene Situation von einem Fachmann beurteilen zu lassen. 

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